BIOGRAFIE
Marlen Haushofer
Marlen Haushofers Leben war geprägt von Familie, literarischer Arbeit und den gesellschaftlichen Umbrüchen ihrer Zeit. Die chronologische Biografie zeichnet wichtige Stationen ihres Lebens nach und verbindet sie mit ihren Werken, Personen und historischen Zusammenhängen.
Lebensabschnitte
Die Jugendjahre
Marlen Haushofer wuchs als Maria Helene Frauendorfer im oberösterreichischen Effertsbachtal auf. Die freie Kindheit im Forsthaus, ihre Eltern und die enge Beziehung zur Natur prägten sie ebenso wie der spätere Wechsel in die Klosterschule der Ursulinen in Linz. Nach deren Schliessung 1938 setzte sie ihre Schulbildung in Linz fort und legte 1939 die Matura ab.
Die Kriegsjahre
Die Kriegsjahre führen Marlen Haushofer vom Reichsarbeitsdienst in Ostpreussen über das Studium in Wien und die Gründung einer Familie bis nach Graz. Beziehungen, die Geburt ihrer beiden Söhne und die Heirat mit Manfred Haushofer prägen diese Jahre ebenso wie der Krieg, der das Paar 1945 zur Flucht nach Frauenstein zwingt.
Die Jahre des Aufbruchs
Nach dem Krieg begann Marlen Haushofer ernsthaft zu schreiben und fand Anschluss an die österreichische Literaturszene. Erste Veröffentlichungen und literarische Erfolge standen neben familiären Konflikten, der Scheidung von Manfred Haushofer und persönlichen Krisen.
Die produktiven Jahre
In diesen Jahren festigte Marlen Haushofer ihre literarische Arbeit. Mit Eine Handvoll Leben, Die Vergissmeinnichtquelle, Die Tapetentür und Wir töten Stella erschienen mehrere wichtige Werke. Zugleich waren diese Jahre von gesundheitlichen Belastungen, familiären Veränderungen und der erneuten Heirat mit Manfred Haushofer geprägt.
Die Jahre der Wand
Nach dem Umzug an den Taborweg entstand mit Die Wand Marlen Haushofers bedeutendstes Romanprojekt. Neben ihrer literarischen Arbeit prägten Veränderungen im Familienleben, gesundheitliche Beschwerden und die zunehmende Selbständigkeit ihrer Söhne diese Jahre. Mit ersten Kinderbüchern erschloss sie sich zugleich ein neues literarisches Arbeitsfeld.
Die späten Jahre
In diesen Jahren entstanden mit Himmel, der nirgendwo endet, Schreckliche Treue und Die Mansarde wichtige Werke Marlen Haushofers. Zugleich erhielt ihr literarisches Schaffen zunehmend Anerkennung. Ab 1967 beeinträchtigten wachsende gesundheitliche Beschwerden ihren Alltag; im Herbst 1968 wurde eine Krebserkrankung diagnostiziert. Trotz der schweren Krankheit setzte Haushofer ihre literarische Arbeit fort.
Das Jahr des Abschieds
In den ersten Monaten des Jahres 1970 verschlechterte sich Marlen Haushofers Gesundheitszustand zunehmend. Mit Mach Dir keine Sorgen verfasste sie Ende Februar ihren letzten Text. Am 21. März 1970 starb sie in Wien, wenige Wochen vor ihrem fünfzigsten Geburtstag. Ihre Urne wurde auf dem Stadtfriedhof in Steyr beigesetzt.
Lebensstationen
Geburt von Marlen Haushofer
Am 11. April 1920 wurde Maria Helene Frauendorfer, die spätere Schriftstellerin Marlen Haushofer, in Frauenstein in Oberösterreich geboren. Ihre Eltern waren der Förster Heinrich Frauendorfer und Maria Frauendorfer.
Geburt des Bruders Rudolf
1924 wurde Marlens jüngerer Bruder Rudolf geboren. Nach anfänglicher Eifersucht entwickelte sich zwischen den Geschwistern eine enge Beziehung; Rudolf wurde später zu ihrem liebsten Spielkameraden.
Eintritt in die Klosterschule der Ursulinen
1930 trat Marlen Frauendorfer im Alter von zehn Jahren in das Mädchenrealgymnasium und Internat der Ursulinen in Linz ein. Der Wechsel vom freien Leben im Effertsbachtal in den streng geregelten Internatsalltag bedeutete für sie eine einschneidende Veränderung.
Tuberkulose und Lungenentzündung
Im Herbst 1933 erkrankte Marlen Frauendorfer an Tuberkulose und wurde für ein Jahr aus der Schule genommen. Im Winter oder Frühjahr 1934 erkrankte sie während ihres Aufenthalts in Effertsbach zusätzlich an einer lebensbedrohlichen Lungenentzündung.
Wechsel an die Schule der Kreuzschwestern
Nach der Schliessung des Ursulineninternats durch die Nationalsozialisten wechselte Marlen Frauendorfer 1938 an das Gymnasium der Kreuzschwestern in Linz.
Matura in Linz
Am 18. März 1939 legte Marlen Frauendorfer an der 2. Oberschule für Mädchen in Linz die Matura ab.
Reichsarbeitsdienst in Christburg
1939 leistete Marlen Frauendorfer Reichsarbeitsdienst in Christburg in Ostpreussen. Der Aufenthalt endete vorzeitig, als das Lager nach dem deutschen Überfall auf Polen im September 1939 geräumt wurde.
Beginn des Studiums in Wien
Im Januar 1940 nahm Marlen Frauendorfer ihr Studium in Wien auf. Sie besuchte die Universität und begann ein Germanistik- und Kunststudium. Das Leben in Wien bedeutete für sie zugleich einen weiteren Schritt in ein selbständigeres Leben.
Schwangerschaft und Trennung von Gert Mörth
Im Dezember 1940 bemerkte Marlen Frauendorfer, dass sie schwanger war. Kurz darauf beendete sie aus nicht näher bekannten Gründen die Beziehung zu Gert Mörth. Sie entschied sich, das Kind auszutragen, informierte ihre Eltern zunächst jedoch nicht über die Schwangerschaft.
Begegnung mit Manfred Haushofer
Im Dezember 1940 lernte Marlen Frauendorfer in einer Wiener Strassenbahn den Medizinstudenten Manfred Haushofer kennen. Trotz ihrer Schwangerschaft entwickelte sich zwischen beiden eine Beziehung. Manfred Haushofer hielt auch an ihr fest, nachdem er von der Schwangerschaft erfahren hatte.
Geburt des Sohnes Christian
Am 30. Juli 1941 brachte Marlen Frauendorfer in Pähl ihren Sohn Christian Georg Heinrich zur Welt. Christian blieb anschliessend in Bayern in der Obhut von Trude Laux’ Mutter und lebte dort bis zu seinem vierten Lebensjahr.
Hochzeit mit Manfred Haushofer
Am 11. November 1941 heirateten Marlen Frauendorfer und Manfred Haushofer standesamtlich in Molln. Die kirchliche Trauung fand in der Pfarrkirche von Frauenstein statt. Anschliessend reiste das Paar nach einem kurzen Aufenthalt in Graz nach Prag.
Geburt des Sohnes Manfred
Am 27. März 1943 brachte Marlen Haushofer in Wels ihren zweiten Sohn Manfred zur Welt. In dieser Zeit hielt sich die Familie überwiegend bei Marlens Eltern in Effertsbach auf.
Umzug nach Graz
Im Winter 1943/44 zogen Marlen und Manfred Haushofer in eine kleine Wohnung in Graz. Ihr Sohn Manfred blieb bei seinen Grosseltern in Effertsbach. Marlen setzte in Graz ihr Studium fort und begann mit einer Dissertation.
Flucht von Graz nach Frauenstein
Kurz vor Kriegsende 1945 verliessen Marlen und Manfred Haushofer das zur Festungsstadt erklärte Graz. Mit Fahrrädern gelangten sie über gebirgige Strassen nach Frauenstein, wo sie das Kriegsende erlebten.
Erste Buchveröffentlichung: Das fünfte Jahr
1952 erscheint mit Das fünfte Jahr Marlen Haushofers erste selbständige Buchpublikation im Wiener Jungbrunnen-Verlag. Die Erzählung schildert ein Jahr im Leben der kleinen Marili aus der Perspektive des Kindes.
Erster Roman erscheint
Mit Eine Handvoll Leben veröffentlichte Marlen Haushofer im Paul Zsolnay Verlag ihren ersten Roman. Das Buch fand auch ausserhalb Österreichs Beachtung und wurde überwiegend positiv aufgenommen.
Umzug in die Pfarrgasse 8
1955 zog die Familie erneut um, diesmal in die Pfarrgasse 8 in Steyr. Die neue Wohnung lag nur wenige Strassen von der bisherigen entfernt.
Die Vergissmeinnichtquelle
Im Bergland Verlag erschien mit Die Vergissmeinnichtquelle Haushofers erster Erzählband.
Preis des Theodor-Körner-Stiftungsfonds
Für ihren Erzählungsband Die Vergissmeinnichtquelle erhielt Marlen Haushofer den Preis des Theodor-Körner-Stiftungsfonds.
Die Tapetentür
Der Paul Zsolnay Verlag veröffentlichte Haushofers zweiten Roman Die Tapetentür.
Erneute Heirat mit Manfred Haushofer
Marlen und Manfred Haushofer heirateten nach acht Jahren der Scheidung ein zweites Mal.
Wir töten Stella
Im Bergland Verlag erschien die bereits einige Jahre zuvor entstandene Novelle Wir töten Stella, die heute zu Haushofers bekanntesten Texten zählt.
Tod von Helene Lahr
Der Tod ihrer engen Freundin Helene Lahr traf Marlen Haushofer tief und veränderte auch ihr Verhältnis zu Wien.
Umzug an den Taborweg
Die Familie Haushofer zog in eine neue Wohnung am Taborweg 19 in Steyr. Die geräumigere und hellere Wohnung verbesserte auch Marlen Haushofers Bedingungen für die literarische Arbeit.
Die Wand
Im Sigbert Mohn Verlag erschien Marlen Haushofers Roman Die Wand, an dem sie seit 1960 gearbeitet hatte. Der Roman wurde zu ihrem bekanntesten Werk.
Arthur-Schnitzler-Preis
Marlen Haushofer wurde für ihren Roman Die Wand mit dem Arthur-Schnitzler-Preis ausgezeichnet.
Bartls Abenteuer
Mit Bartls Abenteuer erschien Marlen Haushofers erstes Kinderbuch. Damit erschloss sie sich neben ihrer übrigen literarischen Arbeit ein neues Arbeitsfeld.
Himmel, der nirgendwo endet
Im Frühjahr 1966 erschien der Kindheitsroman Himmel, der nirgendwo endet. Haushofer bezeichnete das Buch selbst als „eine Autobiographie meiner Kindheit“.
Schreckliche Treue
Im Frühjahr 1968 erschien im Claassen Verlag der Erzählband Schreckliche Treue. Das Buch fand bei der Literaturkritik breite Beachtung und wurde überwiegend positiv aufgenommen.
Die Wand im österreichischen Rundfunk
Ab März 1968 las Elfriede Ott Die Wand im österreichischen Rundfunk. Die Sendung verschaffte Haushofer und ihrem Roman in Österreich neue Aufmerksamkeit und führte zu zahlreichen Reaktionen aus dem Publikum.
Wohin mit dem Dackel?
1968 erschien das Kinderbuch Wohin mit dem Dackel? im Wiener Verlag Jugend und Volk.
Diagnose der Krebserkrankung
Nach zunehmenden Hüftschmerzen wurde im Herbst 1968 am rechten Hüftgelenk eine Geschwulst entdeckt. Wenig später bestätigte sich die Diagnose einer Krebserkrankung.
Staatspreis für Literatur
Im Mai 1969 wurde Haushofer der bereits 1968 für Schreckliche Treue zuerkannte Staatspreis für Literatur im Unterrichtsministerium überreicht.
Die Mansarde
Anfang September 1969 erschien der Roman Die Mansarde im Claassen Verlag. Die Reaktionen der Literaturkritik auf das Buch fielen unterschiedlich aus.
Mach Dir keine Sorgen
Am 26. Februar 1970 verfasste Marlen Haushofer mit Mach Dir keine Sorgen ihren letzten Text. Daniela Strigl bezeichnete ihn als eine Art literarisches Testament.
Tod von Marlen Haushofer
Marlen Haushofer starb am 21. März 1970 im Alter von 49 Jahren in der Wiener Privatklinik, drei Wochen vor ihrem fünfzigsten Geburtstag.
Einäscherung und Beisetzung
Am 26. März 1970 wurde Marlen Haushofer in der Feuerhalle Wien-Simmering eingeäschert. Ihre Urne wurde anschliessend nach Steyr überführt und auf dem Stadtfriedhof beigesetzt.